Atalanta (Insel)

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Abb. 1 Die im Altertum Atalanta genannte Insel, die einst bei einem schweren Erdbeben vom Festland losgerissen und später teilweise überflutet worden sein soll

(red) Atalanta (Abb. 1) (Altgr.: Ἀταλάντη, nach der gleichnamigen Heldin der hellenischen Mythologie [1]), ist der antike Name einer kleinen, heute Talandonísi (Neugriechisch: Ταλαντονήσι) genannten, Insel vor der Lokris im Golf von Korinth. Die vormals auch 'Opuntischer Golf' genannte Bucht, in welcher diese Insel liegt, heißt noch heute 'Bucht von Atalanti', und auch eine nahe gelegene Kleinstadt trägt den Namen Atalanti.

Abb. 2 Solche lokal begrenzten Ereignisse, wie die Überschwemmungen von Atalanta oder Helike kommen keinesfalls als Inspirations-Quelle für Platons Schilderung der kataklysmischen Atlantis-Katastrophe in Frage.

In der englischsprachigen Wikipedia heißt es kurz gefasst über das Eiland Atalanta, das "angeblich durch ein Erdbeben vom Festland abgerissen" wurde: "Im ersten Jahr des Peloponnesischen Krieges wurde diese zuvor unbewohnte Insel von den Athenern befestigt, um zu verhindern, dass die örtlichen Piraten Euböa angreifen. [2] Im sechsten Kriegsjahr wurde ein Teil der athenischen Werke durch das Meer zerstört, wobei die Hälfte der Schiffe am Strand zerstört wurde. Thucydides berichtet, dass das Meer nach einem Erdbeben vom Ufer zurücktrat, bevor es in eine riesige Welle zurückkehrte. [3] Er zitiert ähnliche Ereignisse bei Peparethos und Orobiae und weist darauf hin, dass Erdbeben und solche >Seeereignisse< miteinander verbunden sind - wir wissen jetzt, dass solche Tsunami tatsächlich durch Erdbeben verursacht werden. Im Jahr 421 v. Chr. fiel Atalanta beim Nikiasfrieden wieder an Sparta zurück [4]." [5]

Zum - reichlich konstruiert erscheinenden - Atlantisbezug im Hinblick auf Atalanta lesen wir bei Tony O’Connell unter Bezugnahme auf die Aussagen des Thucydides: "Dieser Bericht über die Überflutung von Atalanta wird bisweilen von Befürwortern [der Historizität; d.Ü.] von Atlantis aus seinem Kontext gerissen und als deutlicher Verweis darauf präsentiert. Diese oberflächliche Interpretation hält einer genauen Überprüfung [Atalantas] in Hinsicht auf Datierung, Örtlichkeit, Größe, aber auch Bedeutung nicht stand. Andere, wie [Lyon] Sprague de Camp, behaupten, dass Platos Atlantis eine reine Erfindung sei, die durch die Zerstörung von Atalanta 'an einem einzigen Tag' durch eine auf ein Erdbeben folgende Flut inspiriert wurde. Indes erscheint es närrisch, eine Erzählung wie die über Atlantis zu ersinnen und sie auf eine unbedeutende Insel selben Namens zu stützen, die sich nur 50 km von Athen entfernt befindet und die nur ein paar Jahre zuvor zerstört wurde - und dann trotzdem zu erwarten, dass man sie für wahr hält." [6]

Wer ernstlich Inspirations-Hypothesen ins Spiel bringen will, welche die Untergänge einzelner griechischer Städte und Festungen des Altertums, wie Atalanta oder auch Helike, als Inspirations-Quellen für den Atlantisbericht bzw. die darin geschilderten Umwälzungen darstellen, ignoriert völlig Platons explizit - wie wir heute sagen - katastrophistische Vorstellungen. Der Athener Philosoph war nämlich, wie er auch in seinem Dialog Nomoi (677 a) deutlich machte, Anhänger eines zyklisch-katastrophischen Modells der Menschheits- und Zivilisations-Geschichte, das in Größenordnungen von Kataklysmen und Ekpyrosen angelegt war. Lokal begrenzte Ereignisse, wie der plötzliche Untergang respektive die schlagartige Überflutung einzelner Städte, wie Helike, Bura oder eben Atalanta waren viel zu 'nieder-
schwellig', um in seinem Zivilisations-Geschichtsbild eine Rolle zu spielen. Somit kann die Überflutung von Atalanta durch einen Tsunami Platon keinesfalls als Inspiration für seine Darstellung der Atlantis-Katastrophe gedient haben.


Anmerkungen und Quellen

Fußnoten:

  1. Quelle: Wikipedia auf Griechisch, unter: "Αταλαντονήσι" (abgerufen: 03. Februar 2018)
  2. Siehe: Thucydides, ii. 32
  3. Siehe: Thucydides, ii. 89
  4. Siehe: Thucydides, v. 18
  5. Quelle: Wikipedia - The Free Encyclopedia, unter: "Atalanta (island)" (abgerufen: 03. Februar 2018; Übersetzung ins Deutsche durch Atlantisforschung.de)
  6. Quelle: Tony O’Connell, "Atalanta (m)", 2. Juni 2010, bei Atlantipedia.ie (abgerufen: 03. Februar 2018; Übersetzung ins Deutsche durch Atlantisforschung.de)

Bild-Quelle:

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