Die Geschichte der Aktion »Gripp contra Atlantis« (4)

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»Fälschungen, Unterschiebungen, Unwahrheiten, Verfälschungen«

von Pastor Jürgen Spanuth (editiert von Bernhard Beier)

Was Jürgen Spanuth offensichtlich auf die sprichwörtliche 'Palme brachte', waren einerseits die ethisch-moralischen Defizite, die seine Kontrahenten bei ihren Attacken gegen ihn an den Tag legten, insbesondere aber auch die Chuzpe, mit der diese Wissenschaftler (!) ihre eigenen Forschungsergebnisse verbogen und verleugneten [1], um ihm noch effektiver schaden zu können. [2] Und so folgt seiner Beschreibung der Vorgänge im Schloss Gottorp vom 26. Oktober 1953 im vorliegenden Papier noch ein längerer Nachtrag, in dem er auf diese Aspekte näher einging:

Abb. 1 Der Prähistoriker Ernst Sprockhoff (1892-1967). Er erhob einerseits in Schloss Gottorp unzutreffende Vorwürfe gegen Jürgen Spanuth, soll sich dort andererseits aber angewidert vom Charakter der Veranstaltung gezeigt haben und entschuldigte sich später offenbar persönlich bei dem Privatforscher für sein Verhalten (siehe Fn. 5). Wie lässt sich dieses recht widersprüchliche Verhalten erklären?

"Was auf wissenschaftlichem Gebiet gegen die Ausführungen dieser Herren Gripp und Gefolge zu sagen ist, habe ich in meiner Entgegnung festgestellt. Es sind ausnahmslos Fälschungen, Unterschiebungen, Unwahrheiten, Verfälschungen der von diesen Herren niedergeschriebenen Forschungsergebnisse. Der einzige Punkt, in dem ich mich wahrscheinlich auf Grund einer älteren Arbeit geirrt habe, ist folgender: Auf S. 184 meines Buches [3] habe ich geschrieben: >Der ägyptische Name für diese Schwerter ist 'sf.t', ein Wort, das nicht, wie vermutet wurde, mit dem griechischen Wort 'Xiphos', sondern mit dem griechischen Wort asfor = sword = Schwert zusammenhängen dürfte.< Ob diese Vermutung älterer Lexika richtig ist oder nicht, spielt für meine 6 Grundthesen nicht die geringste Rolle.

Das menschliche Verhalten meiner Widersacher war skandalös. Herr Professor Dr. Otto Scheel suchte mich wenige Tage nach dieser 'Diskussion' auf und sagte mir: >Ich habe vor Scham und Wut über das skandalöse Verhalten dieser Herren unter Protest den Saal verlassen!< Herr Professor Dr. Scharff, Kiel, sagte mir: >Die Herren haben sich benommen wie in einer Kaschemme! Es war ein Skandal!< Der bekannte Vorgeschichtler Rektor J. Röschmann [4] schrieb mir: >Das ganze war ein Skandal! Eine Blamage für die ganze Wissenschaft! Ich dachte, ich sei in eine kommunistische Wahlversammlung geraten! Sprockhoff (Abb. 1), der neben mir sass, sagte mir: 'Ich möchte am liebsten hinausgehen. Ich bin es nicht gewohnt, dass ein einzelner, ohne sich wehren zu können, gegen ein solches Massenaufgebot stehen muss!'< [5] Herr Studienrat Dr. Nagel, Kappeln, schrieb mir einen langen Brief, in dem es am Schluss heisst: >Ich wollte Ihnen nur sagen, dass Sie nicht so ganz allein auf weiter Flur gestanden haben, als diese Phalanx gegen Sie aufmarschierte. Menschlich gesehen, sind Sie der Sieger geblieben. Ihre Widersacher waren in ihrem Ton so gehässig und unangenehm (vor allem Gripp und Schott), von wissenschaftlichem Hochmut und Überheblichkeit beseelt, dass ich angewidert war. Das ist nicht nur mein Eindruck gewesen, sondern das ist mir auch von anderen bestätigt worden<.

Das Flensburger Tageblatt vom 29.10.53 schrieb u.a.: >Es war ein gut vorbereiteter 'Vernichtungskampf'.< Die 'Schlesw.-Holst. Tagespost' (Rendsburg, 30.10.53) schrieb: >Das Schleswiger 'Rundgespräch', das so fatale Ähnlichkeit mit einer Gerichtssitzung ohne Verteidiger hatte, hat nicht nachhaltig genug gewirkt, um zu überzeugen!< Andere Zeitungen nannten diese 'Diskussion' in Schleswig, die gar keine Diskussion war, >ein Scherbengericht<, >einen Schauprozess<.

Ich sandte am 30.10.1953 einen Brief an Herrn Ingwersen, in dem ich schärfsten Protest einlegte, gegen die Irreführung, die seine Einladung enthielt, gegen die Beschneidung meiner Redezeit, die er mir schriftlich für '1 1/2 bis 2 Stunden' zugesichert hatte, gegen die Verweigerung, die 100 Dias, die ich ihm angekündigt hatte, vorführen zu können. Vor allem erhob ich >allerschärfsten Protest gegen das skandalöse Benehmen der Herren Gripp und Genossen, die mit allen Mitteln der Verleumdung und Schmähung versuchten, mich vor der Öffentlichkeit blosszustellen<. Ingwersen antwortete mir sehr verlegen: >Zu meinem eigenen Bedauern ist mir die Leitung der Diskussion entglitten. Ich darf Ihnen verraten, dass Sie durch Ihre sympathische Art der Behandlung des Problems menschlich zahlreiche Freunde gewonnen haben!<" [6]



Fortsetzung: Die Atlantis-'Diskussion' vom 4. November 1953 in der Universität Kiel

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Anmerkungen und Quellen

Fußnoten:

  1. Anmerkung: Der Anomalist Gerd H. Hövelmann (ein studierter Philosoph und Literaturwissenschaftler) bemerkte über die Vorgehensweise von Gripp et al.: "Sie schreckten nicht einmal davor zurück, ihre eigenen publizierten Forschungsresultate zu verleugnen, umzudeuten und zu verfälschen, nur um dem unbotmäßigen Außenseiter selbst in vergleichsweise folgenlosen Detailfragen nicht zustimmen zu müssen. Neben durchsichtig absurden Argumenten, die sie vermutlich keinem ihrer Studenten hätten durchgehen lassen, waren Verbalinjurien bevorzugtes Werkzeug der professoralen Wissenschaftsvertreter..." Quelle: Gerd H. Hövelmann, Der „zurechtgemachte“ Privatgelehrte (Abschnitt: Kurzer Ausflug nach „Atlantis“ – Der Fall Spanuth), in: Zeitschrift für Anomalistik, Band 5 (2005), S. 274; online als PDF-Datei, unter: Fortgesetzte Diskussionen zu früheren Beiträgen (Link abgerufen: 22. Oktober 2017)
  2. (Red. Anmerkung) Siehe dazu auch: Jürgen Spanuth, "Widerlegungen der Fälschungen von C. Schott an seinen eigenen und meinen Veröffentlichungen", in: 'Erdkunde', Archiv für wissenschaftliche Geographie, Bd. XXIII, Lfg. 1, 1969, Bonn; sowie: Derselbe, "Widerlegung der Fälschungen von W. Wetzel an seinen eigenen und meinen Veröffentlichungen", in: 'Nordfries. Jahrbuch', 1971
  3. Red. Anmerkung: Spanuth bezieht sich hier auf sein Buch "Das enträtselte Atlantis", Stuttgart (Union Deutsche Verlagsgesellschaft), 1953
  4. Red. Anmerkung: Jakob Röschmann (* 20. Juli 1899; † 19. März 1963) war ein Flensburger Mittelschulrektor, Heimatkundler und Prähistoriker, der sich u.a. durch seine Untersuchungen zu den abgegangenen Niederungsburgen Alt-Seegaard und Nedderby im Kreis Schleswig-Flensburg in Fachkreisen einen Namen machte. Zu seinen bekanntesten Publikationen zählt sein nach wie vor rezipiertes Werk "Vorgeschichte des Kreises Flensburg" (1963). Nach ihm ist der Jakob-Röschmann-Weg in Flensburg benannt.
  5. Red. Anmerkung: In Anbetracht der Tatsache, dass Ernst Sprockhoff Spanuth auf selbiger Veranstaltung in Schleswig wahrheitswidrig vorwarf, er habe eine Bildunterschrift aus einem seiner (Sprockhoffs) Bücher verfälschend wiedergegeben, mag die oben zitierte, an Jakob Röschmann gerichtete Bemerkung zunächst verwundern. Trotzdem erscheint sie glaubhaft. Immerhin waren er und Herbert Jankuhn laut einer der Töchter Spanuths die einzigen Angehörigen der Gruppe um Gripp, die ihren Vater später persönlich um Verzeihung für ihr Verhalten baten. (Quelle: Günter Bischoff, "Atlantis und sein Zentrum Althelgoland", Verl. Husum, 2016, S. 225; Günter Bischoff verweist dort (Fn. 175) auf eine Information von E. Gradi-Meier-Ewert 2011; s.a. Arno Behrends, "Nordsee-Atlantis - Ursachen, Verlauf und Folgen der Atlantischen Kriege", Tübingen, 2012, S. 322.
    Im Rahmen weiterer Nachforschungen wird zu überprüfen sein, ob auch Sprockhoff - der immerhin bereits vor der 'Machtergreifung' der Nationalsozialisten (1933) der SA angehörte, 1933 Mitglied im Nationalsozialistischen Lehrerbund wurde und ab 1937 auch NSDAP-Mitglied war - seine Entnazifizierung der Falschaussage eines Professoren-Kollegen aus der direkten Umgebung Gripps verdankte, wie dies auch bei Prof. Jankuhn der Fall war, für den Gustav Schwantes falsch aussagte. Dies würde Sprockhoffs Abhängigkeit von Gripp et al. erklären.
  6. Quelle: Jürgen Spanuth, "Die Geschichte der Aktion »Gripp contra Atlantis«" (unveröffentlichtes Manuskript), West-Bordelum, 04. 10. 1964, S. 14-16

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