Zeitbombe La Palma - Erdrutsch auf der Kanareninsel mit katastrophalen Folgen?

Aus Atlantisforschung.de
Wechseln zu:Navigation, Suche

von Stefanie Kriner

Abb. 1 Die Vulkan-Kette von Cumbre Vieja auf La Palma könnte zum Auslöser einer transatlantischen Mega-Katastrophe werden.

Der Vulkan Cumbre Vieja auf der Kanaren-Insel La Palma kann noch Jahrhunderte lang ruhen, aber wenn er ausbricht, könnte sich ein Desaster über die Meere ausbreiten. Losgerüttelt durch die Eruption könnte ein gigantischer Teil der Westflanke des Berges in den Atlantik rutschen - wobei er massive Tsunamis zu den Küsten Afrikas, Europas, Südamerikas, Neufundlands und möglicherweise auch der Vereinigten Staaten schicken würde.

Im 'Worst-Case Szenario' (detailiert beschrieben von den Geophysikern Steven Ward von der University of California in Santa Cruz und Simon Day vom University College, London, in einem Artikel der Geophysical Research Letters, Ausgabe vom 1. September [2001]) könnte eine halbe Billion Tonnen Vulkangestein in den Ozean rutschen. Innerhalb von fünf Minuten würde sich eine 1500 Fuß [ca. 457 m] hohe Wasserwand auftürmen und mit einer Geschwindigkeit von 30 Meilen (ca. 48 km/h) hinaus auf´s Meer bewegen. Die Welle würde sich abbauen, bevor sie Land erreicht, könnte aber immer noch 900 Fuß [ca. 270 m] hoch sein, wenn sie auf die nahegelegenen Inseln donnert. Während der nächsten fünf bis 45 Minuten, würden sich eine Serie von Wellen ausbreiten, deren Kämme 150 Fuß [ca. 46 m] erreichen, bevor sie auf die afrikanische Küste, Spanien und England treffen.

Sechs Stunden nach dem Ausbruch würden Wellen, mit eine Höhe von bis zu 30 Fuß [ca. 9 m], Neufundland erreichen und 45 bis 60 Fuß [ca. 14 - 18 m] hohe Wellen würden Südamerika bombardieren, wobei sie große Teile des Landes überschwemmen würden. Neun Stunden nach der Eruption, würden Wellenkämme von 30 bis 70 Fuß [ca. 9 - 21 m] an der Ostküste der Vereinigten Staaten aufschlagen.

Die Wissenschaftler sagen jedenfalls, dass womöglich nicht der gesamte instabile Bereich auf einmal einstürzt. Stattdessen können sich mit der Zeit auch kleinere Erdrutsche ereignen. Diese Erdrutsche würden Wellen von einem Viertel bis zur Hälfte der Höhe des Mega-Tsunamis erreichen. Ferner wird das Desaster nicht in nächster Zukunft erwartet. Der Vulkan Cumbre Vieja brach zuletzt im Jahr 1949 aus und hat seither keine Anzeichen für Aktivität gezeigt.

Abb. 2 Der 'Worst-Case-Tsunami' nach einem hypothetischen La Palma-Erdrutsch würde nicht nur die Küsten des gesamten Atlantikraums verheeren, sondern könnte an vielen Stellen weit ins Landesinnere vorstoßen.

Tsunamis, die häufig zu Unrecht als 'Flutwellen' bezeichnet werden, reichen bis hinab zum Meeresboden. Draußen auf See erscheinen sie wie gewöhnliche Wellen. Wenn sie jedoch Land erreichen, und der Meeresboden ansteigt, drückt er die Welle hoch. "Wir sollten den Leuten keine Angst machen", sagte Ward der Associated Press. "Es gibt mit Sicherheit keinerlei Anzeichen, dass dies irgendwann in näherer Zukunft geschehen wird." Wie er hinzufügte, erfolgt selbst dann nicht zwangsläufig ein Erdrutsch, wenn eine Eruption stattfindet. Die Möglichkeit bleibt jedenfalls. Ein gigantischer Riss zieht sich von oben bis unten über die Westflanke des Vulkans, und droht ganz durchzubrechen. Die Bedrohung kommt nicht überraschend. Erdrutsche kennzeichnen die Geschichte des Vulkans. Ein Haufen Schutt vergangener Erdrutsche liegt an der Vulkan-Basis auf dem Meeresboden.

"Vulkane sind bestrebt, kontinuierlich Lava zu einem steilen Hang aufzuschütten, und eventuell wird der Hang so schwer, dass er nachgibt", erklärte Peter Lipman, ein Vulkanologe beim U.S. Geological Survey, der Associated Press. "Ich sehe dies nicht als etwas an, das wahrscheinlich sehr häufig auf La Palma passiert. Aber es gab dort schon einmal vor einer halben Million Jahren eine solche Problematik, und es wird sie auch künftig wieder geben."

Erdbeben oder Erdrutsche unterhalb der Meere verursachen den Großteil aller Tsunamis. 1998 verloren mehr als 2200 Menschen ihr Leben, als 20 bis 30 Fuß [ca. 6 - 9 m] hohe Wellen - ausgelöst durch ein Seebeben - bei Papua Neu Guinea aufliefen. [...]


Kontakt zur Autorin:

kriners@usa.redcross.org (Korrespondenz in Englisch)


Anmerkungen und Quellen

Dieser Beitrag von Stefanie Kriner (© 2001) wurde erstmals in englischen Orginal unter dem Titel Volcanic Landslide Could Send Mega Tsunami to U.S. East Coast bei http://www.disasterrelief.org/Disasters/010831tsunami/ veröffentlicht. Hier erscheint er in einer leicht gekürzten und neu illustrierten Fassung. Übersetzung ins Deutsche: Atlantisforschung.de


Bild-Quellen

(1) http://baserv.uci.kun.nl/~hvreenen/la_palma/Cumbre_Vieja/

(2) http://www.disasterrelief.org/Disasters/010831tsunami/