Karthago

von Tony O’Connell

Abb. 1 Karthago und das Gebiet karthagischen Einflusses vor dem ersten Punischen Krieg (264 v.Chr.)

Karthago ist heute ein Vorort der nordafrikanischen Stadt Tunis. Nach der Überlieferung gründeten Phönizier aus Tyros es um 815 v. Chr. Gerard Gertoux argumentiert [1], dass jüngste Entdeckungen dieses Datum auf mindestens 870 v. Chr. zurückverschieben, wenn nicht sogar weiter. Der römische Dichter Silius Italicus (100-200 n. Chr.) berichtete einst, dass das dortige Land der Legende nach [vormals] von Pelasgern bewohnt war [2].

Südlich von Karthago, im modernen Tunesien, gibt es fruchtbare Ebenen, die der Brotkorb Roms waren und trotz eines stark verschlechterten Klimas auch heute noch zwei Ernten pro Jahr produzieren können.

500 v. Chr. wurde Hanno der Seefahrer von Karthago entsandt, um neue afrikanische Kolonien zu errichten. Etwa ein Jahrhundert später soll auch ein anderer karthagischer Reisender, Himilco, im Atlantik nach Norden [3] gereist sein [4] [5] und möglicherweise Irland erreicht haben, das als „Isola Sacra“ bezeichnet wird. Christopher Jones hat auf seiner Webseite [6] geltend gemscht, Himilco sei definitiv im 5. Jahrhundert v. Chr. nach Großbritannien und Irland gelangt.

Abb. 2 Hier eine Teil-Ansicht der archäologischen Grabungsstätte von Karthago

Das kreisförmige Anlage der Stadt mit einer zentralen Akropolis auf dem Byrsa-Hügel, umgeben von einer Ebene mit einem ausgedehnten Bewässerungssystem, hat eine Reihe von Autoren, darunter Massimo Pallottino [7] und C. Corbato [8], dazu veranlasst, dies als das Modell für Platos Beschreibung von Atlantis vorzuschlagen. Diese Idee wurde auch von Luana Monte [9] übernommen.

Es war jedoch wahrscheinlich Victor Bérard, der 1929 als einer der ersten auf die Ähnlichkeit Karthagos mit Platos Beschreibung von Atlantis hinwies. [10] Als die Römer nach den Punischen Kriegen Karthago zerstörten, bauten sie auf den Ruinen ein neues Karthago, das zur zweitgrößten Stadt ihres westlichen Reiches wurde.

Frank Joseph folgt Lewis Spence und schlägt vor, dass Karthago auf den Überresten einer früheren Stadt gebaut worden sein könnte, die Atlantis oder eine ihrer Kolonien gewesen sei.

Andis Kaulins hat vorgeschlagen, dass „das alte Tartessos (das auf Phönizisch Kart-Hadasht geschrieben wurde) die Vorgängerstadt von Karthago auf der anderen Seite der Straße von Sizilien gewesen sein könne. Plato berichtete, dass Tartessos an den Säulen des Herakles lag.[11] Kaulins platziert die Säulen des Herakles irgendwo zwischen den „Zeh Italiens“ und Tunesien [12].

Richard Miles hat eine gut angekommene Geschichte Karthagos [13] geschrieben, eine Aufgabe, die durch die Tatsache erschwert wurde, dass die karthagischen Bibliotheken nach dem Fall der Stadt zerstört oder zerstreut wurden, wohl mit Ausnahme von Magos landwirtschaftlicher Abhandlung, die ins Lateinische und Griechische übersetzt wurde und weit verbreitet war.

Delisle de Sales platzierte die Säulen des Herakles an den Golf von Tunis.

Eine buchlange Doktorarbeit von Sean Rainey über karthagischen Imperialismus und Handel ist online verfügbar [14].


Anmerkungen und Quellen

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Dieser Beitrag von Tony O’Connell (©) wurde seiner atlantologischen Online-Enzyklopädie Atlantipedia.ie entnommen, wo er am 06. Juni 2010 unter dem Titel "Carthage" erstveröffenlicht wurde. Übersetzung ins Deutsche und redaktionelle Bearbeitung nach dem Stand vom 10. Mai 2020 durch Atlantisforschung.de.

Fußnoten:

  1. Siehe: Gerard Gertoux, "Dating the foundation of Carthage", bei academia.edu (abgerufen: 10. Mai 2020)
  2. Siehe: Silius Italicus, "Punica", LCL 277: 424-425, bei: loebclassics.com (abgerufen: 10. Mai 2020)
  3. Siehe: phoenicia.org, unter: "Himilco, Phoenician Voyager to Northewestern Shores of Europe" (abgerufen: 10. Mai 2020)
  4. Red. Anmerkung: Siehe dazu bei Atlantisforschung.de: Jürgen Hepke, "Der Weg zu den Zinninseln"
  5. Red. Anmerkung: Lyon Sprague de Camp erläutert dazu in "Versunkene Kontinente" auf S. 207: "Zwischen 533 und 500 v. Chr wurden die Karthager im Gebiet der Säulen aktiv. Sie sandten Hanno die afrikanische Küste hinab, brachten Gades so weit, daß es sich unterwarf, und preßten Rom im Jahre 509 ein Abkommen ab, das ihr westliches Monopol festigte. Zur selben Zeit beauftragten sie einen anderen Admiral, Himilkon, >die Außenküste Europas zu erforschen<. Wie sein Kollege Hanno, veröffentlichte Himilkon nach seiner Rückkehr einen Bericht. Wir wissen dies aus einem poetischen Abriß des spätrömischen Dichters Rufus Festus Avienus."
  6. Siehe: Christopher Jones, "High North: Carthaginian Exploration of Ireland", 13. Dezember 2011, bei Gates of Niniveh (abgerufen: 10. Mai 2020)
  7. Siehe: Massimo Pallottino, "Margine Alla Questione Atlantidea Platone e Cartagine", in: Archaeologia Classica 5, 1953, S. 232-237
  8. Siehe: C. Corbato, "Atlantide", in: Archaeologia Classica 4, 1952, S. 228-240
  9. Siehe: Luana Monte, "Cartagine come Atlantide?", 21. Septrmber 2005, bei: antikitera.net (abgerufen: 10. Mai 2020)
  10. Siehe dazu bei Atlantisforschung.de: Bernhard Beier, "Atlantis in Karthago - Die Lokalisierung des Victor Bérard"
  11. Siehe: Andis Kaulins, lexiline.com, unter: "Pillars of Heracles" (abgerufen: 10. Mai 2020)
  12. Siehe: ebd.
  13. Siehe: Richard Miles, "Carthage Must Be Destroyed", London (Penguin Books), 2011
  14. Siehe: Sean Rainey, "The nature of Carthaginian imperial activity: Trade, settlement, conquest, and rule" (Dissertation), University of Canterbury, 2004

Bild-Quellen:

1) BishkekRocks (Urheber) bei Wikimedia Commons, unter: File:CarthageMapDe.png
2) Christian Manhart (Urheber) bei Wikimedia Commons, unter: File:Archaeological Site of Carthage-130237.jpg (Lizenz: Creative-Commons, „Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 IGO“)