Gorgonen

I) Griechische Mythologie:

Abb. 1 Antikes Vasengemälde mit den beiden Gorgonen Stheno und Euryale, die Poseidon herbeigerufen haben, und ihm vom Unglück ihrer Schwester Medusa zu berichten.

(red) Bei den Gorgonen als mythische Gestalten handelte es sich, wie es in Vollmer's Mythologie aller Völker (Stuttgart 1874) heißt, um die "Töchter des Phorcys und der Ceto, von außerordentlicher Schönheit, doch wegen ihm Stolzes von den Göttern in schlangenhaarige Ungeheuer verwandelt; sie hatten Häupter mit Drachenschuppen besäet, Hauzähne gleich wilden Ebern, eherne Hände und Flügel an dem Haupt, mit denen sie sich in die Luft erheben konnten; ihr Anblick war so entsetzlich, daß sie Jeden, der sie ansah, in Stein verwandelten; es waren ihrer drei Schwestern; Stheno, Euryale und Medusa, welche Letztere vorzugsweise Gorgo oder Gorgone genannt wird; die beiden ersteren waren unsterblich, Medusa war es nicht; daher konnte, als dem Perseus aufgetragen wurde, das Haupt der Gorgone zu holen, nur diese gemeint sein.

Abb. 2 Moderner 'Gorgone' mit 'Schlangenhaar': Ein Rastafari-Anhänger mit typischen Dreadlocks

Der Held hieb ihr dasselbe ab, und aus ihrem Blute entsprangen augenblicklich das Flügelross Pegasus, und Chrysaor, der Heros, welcher des dreileibigen Geryon Vater ward. Beide waren Kinder des Neptun, welche er mit der Medusa erzeugte, als sie noch schön war; es soll dies im Tempel der Minerva geschehen sein, daher geben einige Mythographen an, die Verwandlung sei zur Strafe für diesen Frevel erfolgt." [1]

Es sei angemerkt, dass Lewis Spence in seinem Lexikom A dictionary of mythology - being a concise guide to the myths of Greece and Rome, Babylonia, Egypt, America, Scandinavia & Great Britain über die Gorgonen bemerkte, sie "lebten im fernen Westen des Ozeans oder, anderen Berichten zufolge, in Afrika." [2] Die erstgenannte Lokalisierung mag durchaus auf eine urtümliche 'atlantische' Herkunft dieses rätselhaften Volkes oder seiner Herrscher/innen hinweisen.


II) Alternativhistorik/Atlantisforschung:

Bei einer euhemeristischen Ausdeutung des hellenischen Mythos von den "schlangenhaarigen" Gorgonen erscheint die Annahme berechtigt, dass es sich bei diesen - ebenso wie bei den westlichen Amazonen und den Atlantioi ursprünglich um ein prä- bzw. protohistorisches Volk in Nordafrika handelte, an das die Alten Griechen lediglich eine stark mythistierte Erinnerung bewahrten.

Bei B. Beier heißt es dazu u.a.: "Ein wesentliches Erkennungsmerkmal der mysteriösen Gorgonen waren ihre >Schlangenhaare< - mithin eine offenbar mythisierte Darstellung, die aus 'Menschen wie Du und ich' unheimliche Fabelwesen machte. Während konventionelle Mythologen hier vermutlich die Schlangen-Symbolik hinterfragen oder nach einer allegorischen Bedeutung suchen werden, stellt sich der Euhemerist (siehe: Stichwort: Euhemerismus) zunächst die pragmatische Frage: Was könnten die proto-hellenischen Besucher [3] der Gorgonen beobachtet haben, um zu einer solchen, phantasievollen Beschreibung inspiriert zu werden? Die Antwort darauf ist erstaunlich einfach: Die Gorgonen trugen offenbar eine Haartracht, die den Frisuren glich, wie sie auch heute noch z.B. von den Anhängern der Rastafari-Religion bevorzugt werden, nämlich Dreadlocks!" [4] (Abb. 2)


Anmerkungen und Quellen

  1. Quelle: Vollmer's Mythologie aller Völker, Stichwort: Gorgonen
  2. Siehe: Lewis Spence, A dictionary of mythology - being a concise guide to the myths of Greece and Rome, Babylonia, Egypt, America, Scandinavia & Great Britain", London (Cassell), 1910, S. 92 (Übersetzung des Zitats ins Deutsche durch Atlantisforschung.de)
  3. Red. Anmerkung: ...oder auch andere Völkerschaften, die ihre entsprechenden "Erkenntnisse" dann an die Proto-Hellenen weitergaben.
  4. Quelle: Bernhard Beier, "Diodor und das Westland: Atlantioi, Amazonen und Gorgonen", Sektion: "Perseus und die Gorgonen", Atlantisforschung.de


Bild-Quellen

1) Vollmer's Mythologie aller Völker, Stichwort: Gorgonen
2) Chamaeleon bei Wikimedia Commons, unter: File:Dreadlocked rasta.jpg